Patientenratgeber

Sertralin: mögliche sexuelle Nebenwirkungen

Sertralin kann Libido, Erektion, Ejakulation und Orgasmus beeinflussen. Erfahren Sie, warum die Ursache nicht immer eindeutig ist und weshalb das Medikament nicht eigenständig abgesetzt werden sollte.

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Medizinische Informationsgrafik zu Sertralin: mögliche sexuelle Nebenwirkungen

Sertralin ist ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Es kann bei manchen Männern sexuelle Nebenwirkungen verursachen, darunter weniger Libido, Erektionsprobleme, verzögerte oder ausbleibende Ejakulation sowie einen verzögerten oder vermindert wahrgenommenen Orgasmus. Gleichzeitig können Depression, Angststörungen und andere Erkrankungen selbst die Sexualfunktion beeinträchtigen. Deshalb lässt sich ein sexuelles Symptom nicht allein aufgrund des zeitlichen Zusammenhangs sicher dem Medikament zuordnen. Sertralin sollte wegen solcher Beschwerden nicht abrupt oder ohne Rücksprache abgesetzt werden.

Was ist der Unterschied zwischen Lustral und Sertralin?

Lustral ist ein Handelsname; Sertralin ist der Wirkstoff. In Deutschland und anderen Ländern existieren verschiedene Präparate mit Sertralin.

Für die medizinische Einordnung ist vor allem wichtig:

Wie kann Sertralin die Sexualfunktion beeinflussen?

Sexuelle Funktion besteht nicht aus einem einzelnen Vorgang. Sertralin kann unterschiedliche Phasen betreffen.

Verminderte sexuelle Lust

Einige Männer berichten über weniger sexuelle Gedanken, weniger spontanes Interesse oder eine geringere Reaktion auf sexuelle Reize. Eine reduzierte Libido kann aber ebenso Teil einer Depression, chronischer Belastung oder anderer Erkrankungen sein.

Erschwerte Erregung oder Erektion

Erektile Dysfunktion ist als mögliche Nebenwirkung beschrieben. Auch hier muss zwischen einem neu nach Behandlungsbeginn aufgetretenen Problem und einer bereits vorhandenen Erektionsstörung unterschieden werden.

Verzögerte oder ausbleibende Ejakulation

SSRIs können die Ejakulation verzögern. Bei Sertralin ist Ejakulationsversagen in Produktinformationen ausdrücklich als mögliche Nebenwirkung aufgeführt.

Verzögerter oder weniger intensiver Orgasmus

Orgasmus und Ejakulation sind nicht identisch. Ein Mann kann eine veränderte Orgasmuswahrnehmung haben, auch wenn Samen austritt. Umgekehrt kann die Ejakulation vermindert sein, obwohl ein Orgasmus erlebt wird.

Veränderung der genitalen Wahrnehmung

Einige Betroffene beschreiben eine reduzierte Empfindung. Solche Angaben sind subjektiv und müssen im Zusammenhang mit anderen körperlichen, psychischen und medikamentösen Faktoren bewertet werden.

Wie häufig sind sexuelle Nebenwirkungen?

Eine einzige Prozentzahl ist nicht für alle Patienten und alle Diagnosen geeignet. Die beobachtete Häufigkeit hängt von Studie, Dosis, Behandlungsdauer, zugrunde liegender Erkrankung und davon ab, wie gezielt sexuelle Symptome erfragt werden.

In aktuellen Fachinformationen ist bei Männern unter anderem Ejakulationsversagen beschrieben; in einer Studie zur sozialen Angststörung wurde dieses Ereignis unter Sertralin deutlich häufiger als unter Placebo beobachtet. Solche Einzelzahlen lassen sich jedoch nicht auf jeden Mann mit Depression oder Angststörung übertragen.

Wichtiger als eine pauschale Häufigkeit ist deshalb die Frage, ob sich eine neue, belastende Veränderung zeitlich plausibel zur Behandlung entwickelt hat.

Ist die Ursache das Medikament oder die psychische Erkrankung?

Beides ist möglich – und manchmal wirken mehrere Faktoren zusammen.

Für die Einordnung helfen Fragen wie:

Bei wiederkehrender Erektionsstörung kann zusätzlich eine urologische Abklärung sinnvoll sein. Mehr dazu: Erektile Dysfunktion.

Ist die verzögerte Ejakulation eine therapeutische Wirkung?

Serotonerge Medikamente können die Ejakulation verzögern, weshalb bestimmte SSRIs in Leitlinien als off-label Option bei vorzeitiger Ejakulation diskutiert werden. Daraus folgt aber nicht, dass ein Mann Sertralin eigenständig zur Ejakulationsverzögerung einsetzen sollte.

Für lebenslange vorzeitige Ejakulation nennt die EAU zugelassene beziehungsweise etabliertere Erstlinienoptionen; eine tägliche SSRI-Behandlung gehört eher zu den alternativen, off-label eingesetzten Möglichkeiten. Eine individuelle Verordnung muss Nutzen, Nebenwirkungen und psychiatrische Indikation berücksichtigen. Siehe auch Vorzeitiger Samenerguss.

Sollte Sertralin bei sexuellen Nebenwirkungen abgesetzt werden?

Nicht eigenständig. Ein abruptes Absetzen kann Absetzsymptome auslösen und die behandelte psychische Erkrankung destabilisieren.

Je nach Situation kann der verschreibende Arzt beispielsweise prüfen:

Welche Option geeignet ist, hängt wesentlich davon ab, warum Sertralin verordnet wurde und wie stabil die psychische Situation ist.

Können sexuelle Beschwerden nach Absetzen fortbestehen?

Ja, das wurde berichtet. Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat bereits 2019 für SSRI und SNRI eine Aktualisierung der Produktinformationen empfohlen: In einigen Fällen wurden anhaltende sexuelle Funktionsstörungen nach Beendigung der Behandlung gemeldet.

Das bedeutet nicht, dass anhaltende Beschwerden bei jedem Betroffenen zu erwarten sind. Häufigkeit, Mechanismen und individuelle Vorhersagbarkeit sind begrenzt geklärt.

Anhaltende Symptome sollten medizinisch beurteilt werden, statt automatisch einer einzigen Ursache zugeschrieben zu werden.

Wann ist eine urologische Abklärung sinnvoll?

Eine zusätzliche urologische Beurteilung kann sinnvoll sein, wenn beispielsweise:

Welche Warnzeichen benötigen rasche Hilfe?

Unabhängig von sexuellen Nebenwirkungen erfordert eine deutliche psychische Verschlechterung – insbesondere neu auftretende Suizidgedanken – rasche medizinische beziehungsweise psychiatrische Hilfe.

Auch eine Erektion von vier Stunden oder länger ist urologisch dringlich. Priapismus ist als seltenes Ereignis bei Sertralin beschrieben.

Was sollte vor einem Arztgespräch notiert werden?

Hilfreich sind:

Diese Informationen ermöglichen eine differenziertere Entscheidung als die Frage „macht Sertralin impotent – ja oder nein?“.

Häufige Fragen

Kann Sertralin die Libido vollständig ausschalten?

Eine deutliche Libidominderung ist möglich, aber nicht jeder Mann erlebt sie. Auch die Grunderkrankung und andere Faktoren können die Libido beeinflussen.

Kann Sertralin Erektionsprobleme verursachen?

Ja, erektile Dysfunktion ist als mögliche Nebenwirkung beschrieben. Bei anhaltenden Beschwerden sollten gleichzeitig andere Ursachen geprüft werden.

Ist eine verzögerte Ejakulation unter Sertralin ungewöhnlich?

Nein. Verzögerte oder ausbleibende Ejakulation gehört zu den bekannten möglichen sexuellen Nebenwirkungen serotonerger Antidepressiva.

Darf Sertralin bei sexuellen Beschwerden für einige Tage pausiert werden?

Nicht ohne Rücksprache mit dem verschreibenden Arzt. Eigenständige Einnahmepausen können Absetzsymptome oder eine Verschlechterung der Grunderkrankung auslösen.

Verschwindet die sexuelle Nebenwirkung sofort nach Absetzen?

Nicht zwingend. Beschwerden können sich zurückbilden, aber der Zeitpunkt ist nicht bei jedem gleich; selten wurden anhaltende Symptome berichtet.

Hinweis

Diese Seite dient der allgemeinen medizinischen Information. Sie enthält keine Empfehlung, Sertralin zu beginnen, zu verändern oder abzusetzen. Änderungen einer antidepressiven Behandlung gehören in die Verantwortung des verschreibenden Arztes. Bei akuter psychischer Krise oder Suizidgedanken ist unverzüglich professionelle Hilfe erforderlich.

Quellen4 Quellen

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